5 Bücher, die wir lieben

Romane, Fachliteratur, Selbsthilfe: Diese fünf Werke rund um die Psyche begleiten dich durch den Frühling – und darüber hinaus.

Text: Jana Reininger da Rosa
Foto: Jana Reininger da Rosa

Datum: 10. März 2026

Von der Insel in die DDR

In ihrem Roman „Menschen wie wir” erzählt Thị Thanh Thảo Trần, wie es ist, an einem fremden Ort neue Wurzeln zu schlagen. Nach einer Kindheit in Vietnam ist in Deutschland so einiges anders: Von der Art, wie die Menschen hier den Mond betrachten bis hin zu der Weise, wie die Deutschen Ausländer:innen anschauen – und darüber zu lesen ist wichtig, denn antiasiatischer Rassismus ist ein Thema, vor dem 2026 niemand die Augen schließen sollte. Trần erzählt von den psychischen Belastungen, die Armut und sozialer Ausschluss mit sich bringen – und gerade, wenn man sich an gesellschaftlichen Analysen satt gelesen hat, folgen überraschende Wendungen in den Lebensgeschichten der Protagonist:innen. Das Buch ist ungewohnt und poetisch, es regt zum Nachdenken an und lässt sich nur schwer beiseite legen.

Menschen wie wir. Thị Thanh Thảo Trần. 288 Seiten, Leykam, 2026, EUR € 25,50

People Pleasing wie ein Reh?

Fight, Flight, Freeze (dt.: Kampf, Flucht, Erstarren) – viele Menschen kennen diese Reaktionen auf Trauma. Aber was bitte ist Fawning?

Angelehnt an das Rehkitz, auf englisch fawn, bezeichnet Fawning das Unsichtbarwerden als Folge solcher traumatischer Situationen, in denen Kämpfen, Fliehen oder Erstarren keine Möglichkeit ist. Das bedeutet: Betroffene machen sich klein und unauffällig, um Gefahr zu entgehen. Im Alltag fallen sie oft durch übermäßiges Harmoniebestreben auf, erklärt Ingrid Clayton in ihrem Buch.

Die US-Psychologin gibt sieben Fallgeschichten von Klient:innen und eigenen Anekdoten Raum, anhand derer die Leser:innen ein noch weitgehend unbekanntes Phänomen greifen lernen. Vor allem aber zeigt sie, wie Betroffene künftig besser mit ihren Emotionen umgehen können.

Fawning – die unterschätzte Trauma-Reaktion. Ingrid Clayton. 416 Seiten, Ullstein Allegria, 2026, EUR € 21,50

Ein Must-Have für jede Praxis

Psychotherapie ist oft weiß, weiblich und wohlhabend. Anderen Menschen wird der Zugang zu ihr oft verwehrt. Der Sammelband „Intersektionalität in Therapie und Beratung” möchte das ändern. 40 Autor:innen ergründen darin, wie psychologische Behandlungsmethoden inklusiver werden können: Wie funktioniert beispielsweise rassismuskritische Therapie? Was hat Suizid mit gängigen Machtverhältnissen zu tun? Inwiefern schaden Sozialarbeiter:innen unter dem Glauben an gute Absichten den Menschen, mit denen sie arbeiten? Das sind nur wenige der vielen Fragen, denen sich das Werk von Saase und ihren Kolleg:innen widmet. Immer wieder spannt das Buch geschickt den Bogen zu konstruktiven Lösungsvorschlägen, um Leser:innen allen Herausforderungen zum Trotz hoffnungsvoll zurückzulassen.

Besonders wertvoll: Die 40 Autor:innen, die im Buch zu Wort kommen, stammen selbst aus diversen Hintergründen. Wir sagen: Ein inklusives Buch, das in allen Therapie- und Beratungspraxen stehen sollte.

Intersektionalität in Therapie und Beratung. Sabrina Saase et al. 527 Seiten, Nomos, 2025, EUR € 134,00

 

„Ich bin wertvoll”

Geht es um die Psyche, richten wir uns hier im Westen meist vor allem nach Erkenntnissen aus Europa und den USA. Dabei kann es augenöffnend sein, sich mit dem Wissen anderer Kulturen zu beschäftigen. „Deinen Selbstwert bestimmst nur du” ist in Korea schon längst ein Bestseller. Der Psychiater Yoon Hong Gyun gilt als Experte für Selbstwert und Sucht, litt aber selbst lange an geringem Selbstvertrauen. Und das, da ist Gyun sich sicher, hat weitreichende Folgen, denn ein gesunder Selbstwert ist die Basis des Glücks. Ein spannendes Buch, gespickt mit allerlei alltagstauglichen Übungen.

Deinen Selbstwert bestimmst nur du. Yoon Hong Gyun. 352 Seiten, Ullstein Allegria, 2026, EUR € 19,60

Ein unterhaltsamer Roman über Mutterschaft

„Brüchiges Plastik” ist ein Roman über die Veränderungen, die Mutterschaft mit sich bringt – und dann irgendwie doch nicht, denn eigentlich erzählt Angie Volk eine unerwartete Liebesgeschichte, in die Queerness so selbstverständlich eingestreut ist, wie das überall sonst auch sein sollte. Volk schafft es, einem oft schon satt gelesenen Thema neue Würze zu geben und beleuchtet Lebensrealitäten mehrerer Frauen, die ganz unterschiedliche Entscheidungen in ihrem Leben treffen. Selbstverständlich spielen darin auch Männer eine Rolle – aber eine untergeordnete, denn eigene Stimmen bekommen diese nicht. Wer Traurigkeit dabei erwartet, über postpartale psychische Belastungen zu lesen, wird hier enttäuscht. Der Roman ist angenehm leicht geschrieben und feiert das Leben – vielleicht gerade auch weil Herausforderungen neue Chancen bringen.

Brüchiges Plastik. Angie Volk. 272 Seiten, Leykam, 2026, EUR € 25,50

Melde dich zu unserem Newsletter an:

 

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter akzeptierst du unsere Datenschutzrichtlinien.