„Ich bin eher auf der Butterseite gelandet“: Mwita

Der Musiker und Filmemacher Mwita Mataro feierte dieses Jahr das Erscheinen seines ersten Filmes Austroschwarz. Hinter den Kulissen lebt er mit einer bipolaren Störung.

Text: Salme Taha Ali Mohamed
Foto: Gabriel Hyden

Datum: 3. Dezember 2025
Person mit VR-Brille in Pflanzenumgebung

Wenn Mwita Mataro an einem seiner vielen Projekte arbeitet, ist oft kein Ende in Sicht: keine Pausen, kein Schlaf. „Wenn es um meine Kunst geht, fiel es mir immer schon schwer, meine eigenen Grenzen und meine Erschöpfung zu spüren“, erzählt der in Wien ansässige Musiker und Filmemacher. „Wenn ich eine Idee habe, fließt meine ganze freie Zeit und Ener-
gie hinein, bis ich nicht mehr kann.“

Jahrelang ging das irgendwie gut – bis vor rund fünf Jahren alles kippte. Damals arbeitete Mwita an seinem ersten Film Austroschwarz, der 2025 ins Kino kam. Daneben widmete er sich weiteren Projekten, etwa seiner Band At Pavillon, und ging seinem Brotberuf als Kellner nach.

Seine Energie kam ihm anfangs endlos vor. Doch als sich die Deadlines häuften, hielt sein Körper nicht mehr mit.

„Mir ging es irgendwann so schlecht, dass ich den ersten Drehtag von Austroschwarz absagen und ins Krankenhaus fahren musste“, erinnert er sich. „Dort wurde mir gesagt, dass ich mich in einer Hypomanie befinde.“

Kunst, Reha, Medikamente

Was für den Künstler bis dahin ein Fremdwort war, stellte sich als eines der Hauptsymptome der bipolaren Störung heraus. Ein späterer Besuch bei einem Psychiater bestätigte die Diagnose. „Ich habe nicht damit gerechnet. Aber die Diagnose hat mir geholfen, meine Probleme zu benennen”, so Mwita.

Er verstand, warum er Emotionen tiefer spürt als andere und manchmal zwischen Episoden tiefer Depression und hochmotivierter Leidenschaft wechselt. Wann die Erkrankung bei ihm erstmals auftrat, kann der Künstler nicht sagen. Während er vor allem im Winter Gefahr läuft, in eine Depression zu verfallen, tritt die Hypomanie insbesondere auf, wenn er sich künstlerisch betätigt.

Das treibt ihn immer wieder dazu, sich an neue Herausforderungen zu wagen – von der Musik über Aktivismus bis zum Film. Gleichzeitig stellen diese Episoden eine Belastung für seinen Körper dar. Denn nur weil er seine physischen Grenzen tagelang nicht spüren kann, bedeutet das nicht, dass sie nicht existieren.

„Bei manchen nimmt es solche Ausmaße an, dass sie sich nach der Manie nicht mehr erinnern können, was sie alles gemacht haben“, so der Künstler.

Selbst habe er das jedoch nicht erlebt. „Ich bin da eher auf der Butterseite gelandet.“

Auf einer Reha lernte er seine Symptome zu navigieren. Er baute sich ein Team aus Psychiater:innen und Therapeut:innen auf, die ihm dabei halfen, seine Erkrankung zu behandeln – zeitweise mithilfe von Medikamenten.

Rechtzeitig die Grenze ziehen

An sie wendet er sich bis heute, wenn er merkt, dass er in eine Episode hineinzurutschen droht. „So ging es mir erst dieses Jahr, nachdem Austroschwarz erstmals in die Kinos kam. Ich kam spät von Vorstellungen und Veranstaltungen nach Hause, war aber hellwach und konnte nicht schlafen“, erzählt Mwita.

Sein Kopf ging über vor Ideen. Anstatt sich ins Bett zu legen, wollte der Künstler am liebsten zurück zum Laptop. Vor einigen Jahren wäre er diesem Impuls wahrscheinlich gefolgt. „Mittlerweile habe ich gelernt zu erkennen, dass das die ersten Anzeichen einer beginnenden Hypomanie sind und was ich tun muss, damit sie sich nicht weiterentwickeln kann“, so Mwita. In diesem Fall bedeutete es, sich von seinem Psychiater Medikamente zum Einschlafen verschreiben zu lassen und mit seiner Therapeutin zu sprechen.

In seinem Film spricht er offen über seine Erkrankung. „Es gibt noch viele Vorurteile gegenüber der bipolaren Störung. Viele denken da an Kanye West oder benutzen die Erkrankung als ein anderes Wort für verrückt, weil sie wenig Berührungspunkte mit Betroffenen haben“, weiß Mwita. „Deswegen war es mir als Künstler wichtig zu zeigen, wie unterschiedlich unsere Symptome aussehen können.“

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